Auf der Suche nach den katholischen Extremisten von Gloria.tv wurde der Lappi weder beleidigt noch angegriffen. Leider.

Bild: Redaktion

Das Frühstücksbuffet des Café Dulezi in Sedrun ist so gut, dass die Lappi-­Redaktion etwas länger sitzen bleibt und den Gottesdienst verpasst. Dabei sind wir eigentlich wegen der Katholiken in die kalte Bergwelt gereist – genauer wegen der radikalen Katholiken um Pfarrer Reto Nay und Gloria.tv.

Gloria.tv, das ist so etwas wie Youtube für katholische Extremisten. Juden und Schwule sind gefährlich, die Pille danach ist Mord. Nachdem einige deutsche Bischöfe und Kardinäle die Pille danach «unter bestimmten Umständen» (Vergewaltigung) als angemessen bezeichneten, wurde ihr Konterfei in der nächsten «Nachrichtensendung» von Gloria.tv mit dem Hakenkreuz geschmückt. Prominentester Mitarbeiter: Pfarradministrator Reto Nay, bis vor kurzem Pfarrer in Sedrun.

Ausflugsziel
Mit dem Zug an einem sonnigen Tag über den OBERALPPASS – ein herrliches Wintererlebnis. Tipp: Wintersportgeräte mitnehmen, am höchsten Punkt aussteigen und los – so spart man sich den Sessellift.
Architektur
Dieser moderne Klassiker, das HOTEL EDEN MONTANA, steht in Ilanz. Der Architekt soll es liebevoll «Mein Ostblock» genannt haben.
Kulinarik
In Sedrun auf keinen Fall verpassen: Capuns in der USTARIA POSTA, Frühstücksbuffet im CAFÉ SEDRUN.

Viele Stunden früher: Der Entschluss, erstmals mit dem Auto einen Lappi-Ausflug zu unternehmen, erweist sich als töricht. Ohne Schneeketten oder auch nur Vierradantrieb kommen wir bis nach Andermatt. Der Oberalppass ist wegen Schneefalls unpassierbar, und nach ungelenken Rutschmanövern auf den eisglatten Strassen – argwöhnisch von den Einheimischen beobachtet – entscheiden wir uns zur Flucht, talabwärts bis Göschenen.

Erstmal einen Café Pharisäer

Das beste Auto kann niemals so gut sein wie der Schweizer ÖV – das hätte man auch im Voraus wissen können. Der Zug bringt uns problemlos nach Sedrun, Schnee hin oder her. Dann: Capuns, Bündner Herrschäftler, Jassen, Röteli – ein normaler Abend im Bündnerland eben. Und am nächsten Morgen das erwähnte Frühstücksbuffet. Spätestens mit dem «Café Pharisäer» hat sich der Gottesdienst erledigt.

«Der Pfarrer einer Gemeinde wetterte jeden Sonntag von der Kanzel herab gegen den Alkohol», erklärt uns die Speisekarte, «doch weil die findigen Bürger nicht auf ihren Schuss Alkohol verzichten wollten, versteckten Sie ihn im Kaffee unter einer Haube Schlagrahm. Durch eine verwechselte Tasse bemerkte der Pfarrer jedoch den ‹Sündenfall› seiner Gemeinde und beschimpfte sie als ‹Pharisäer›.» Zwischenbilanz: Der Herrgott versucht, uns mit Schnee, Frühstücksbuffets und Alkohol davon abzuhalten, Gloria.tv auf den Grund zu gehen.

Schnaps und Leichen unter weissen Hauben

Wir werfen einen Blick in die inzwischen leere Kirche – sie ist sehr katholisch. Gold, Pomp, Weihwasser, Beichtstuhl – alles, was dazu gehört. Vor allem ist sie für ein kleines Dorf mit rund 1'500 Einwohnern sehr gross und prunkvoll. Schwer vorstellbar, dass Hassprediger Nay noch vor kurzem auf dieser Kanzel stand. Hinter der Kirche ragen gerade noch die Spitzen von Grabkreuzen aus dem Schnee – in Sedrun versteckt man nicht nur Alkohol, sondern auch Leichen unter einer weissen Haube.

Im Dorf hat jeder vom kruden Sender gehört, aber der sei ja weg, versichern uns die Leute. Mehr ist nicht rauszukriegen. «Nein, mit dem hatte ich nichts zu tun», hörten wir mehrfach. In einem weiteren Café weiss schliesslich doch jemand Bescheid, er schickt uns weg, nach Ilanz. Dort befinde sich im Haus von Neys Mutter der offizielle Sitz von Gloria.tv.

In Ilanz werden wir fündig, nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt: «Gloria. tv – the more catholic the better» verkündet die Aufschrift im Schaufenster. Laut Briefkasten wohnen hier Adelina Nay, die Mutter von Reto Nay, und Doina Theresa Buzut, Haushälterin und Gloria.tv-­Moderatorin. Am Briefkasten hängt auch eine Notiz der Gemeinde: «Wohnt hier ein Markus Doppelbauer?» – es handelt sich um einen Priester und Mitarbeiter von Gloria.tv.

Hier ist nun also der Nay-Clan, hier wäre Gloria.tv. Wir klingeln – wir klingeln noch einmal, aber es ist niemand da, dem wir unsere Fragen stellen könnten.

Der Hauptsitz von «Gloria.tv» scheint sich laut Medienberichten inzwischen in Moldawien zu befinden. Zwischenzeitlich was der Sitz in Wien, bis es wegen der Hakenkreuze zu einer Hausdurchsuchung kam.

Reporter exkommuniziert

Kurz nach dem Bischöfe-mit-Hakenkreuz-Vorfall vor einem Jahr hatte «Spiegel TV» in Sedrun recherchiert und war vor lau-fender Kamera von «Gloria.tv»-Mitarbeitern provoziert und sogar exkommuniziert worden. Es kam auch zu einem kleinen Handgemenge, nachdem Markus Doppelbauer minutenlang die Hand vor die Spiegel-Kamera gehalten – und gleichzeitig mit seiner eigenen Kamera gefilmt hatte. Gloria.tv reagierte auf den Bericht des «Spiegels», bezeichnete die Reporter als «Stalker» mit «Nazi-­Methoden» und schmückte nun auch das «Spiegel»­-Logo mit einem Hakenkreuz.

In der Folge wurde die Geschichte von mehreren Medien aufgegriffen, es kam zu Untersuchungen gegen Gloria.tv, bis Markus Doppelbauer und Reto Nay vom Churer Bischof Huonder abgesetzt wurden und abtauchten – bis heute. Der Lappi kam nur etwas zu spät: Von Katholiken angegriffen und in Internetvideos als Stalker und Nazis bezeichnet zu werden – das hätte uns auch noch gefallen.

Kommentare  

0 #1 CollarUri 2016-09-14 10:10
"Hassprediger" und "Krude" - das ist doch in dem Fall nicht ganz so kommunistisch wie Ihr, meine Lieben?
Papier nimmt alles an, Netzseiten fast alles.

P. S. Der Spiegel ist und bleibt ein ehemaliges Nazi-Blatt, um den könntet Ihr Euch auch mal kümmern.
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