Ausgabe 2: Thomas Leuzinger über die Engpässe im Zivildienst und die darausfolgenden Engpässe bei der Armee.

Die Schweizer sind einfach zu friedlich. Zu viele Wehrpflichtige laufen von der Armee in den Zivildienst über: Das bringt den Zivildienst zum Überlaufen. Die Zahl der eingereichten Gesuche stieg in einem Jahr von 1900 auf 7200. Nun weiss man noch nicht so ganz, ob man die Leute denn alle brauchen kann. Der Armee hingegen fehlen diese. Einfach wieder umverteilen?

Nicht unbedingt. Denn unsere Armeechefs beklagen chronischen Mangel: Es fehlt an Flugzeugen, Munition, Leuten, an Geld und irgendwie wohl an allem. Das klingt, als wäre die ganze Armee einfach kleiner geworden, und die Chefs hätten das noch nicht mitgekriegt.

Dennoch fordern die ersten Vertreter der rechten Ratsseite bereits die Gewissensprüfung zurück, damit der Status Quo (Vadis) wieder hergestellt wird.

Dass die Armee derart unattraktiv ist, dass die Wehrpflichtigen lieber eineinhalb Mal so lange im Zivildienst dienen (was heute als Ausdruck für einen Gewissenskonflikt reicht), spricht eine deutliche Sprache. Aber anstatt zu akzeptieren, dass wir eine friedliche Bevölkerung haben, möchten unsere Militärs sie lieber zum Dienst an der Waffe zwingen, damit unserem Land die Wehrhaftigkeit erhalten bleibt.

Dabei gäbe es da noch den «Catch 22», der zu meiner Zeit noch für einen kleinen Bestand im Zivildienst sorgte. Wer nicht in die Armee will und einen Gewissenskonflikt hat, der wird einfach psychisch untauglich geschrieben – und ist somit auch für den Zivildienst unbrauchbar.

Zu guter Letzt stellt sich dann natürlich noch die Frage, wozu die Armee eigentlich eingesetzt werden soll. Ist sie da, um bei gesellschaftlichen Nöten Hilfe zu leisten? Wenn eine Piste für ein Skiweltcuprennen präpariert werden muss, wenn die Kulisse für das Schwing- und Älplerfest fehlt oder wenn ein Waldweg saniert werden soll? Wozu dann die Panzer und Flugzeuge?

Sollten nicht vielmehr Zivilschutz und Zivildienst, die das «zivil» bereits im Namen tragen, diese Aufgaben übernehmen? Um unser Trinkwasser zu beschützen, haben wir eine Armee. Aber warum haben wir keine spezialisierte Einsatztruppe für jene Katastrophenlagen wie Überschwemmungen, Bergstürze oder Lawinenniedergänge, die uns wirklich begegnen könnten?

Oder ist die Armee wirklich nur zum Schutz vor uns selbst da, wie etwa am WEF? Dann müsste man sich doch über mehr friedliche Schweizer freuen.

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