Ein neuer Verein soll die Anliegen der Schaffhauser Bandlandschaft vertreten. Damit wollen die Initianten den Mangel an Bandräumen bekämpfen, aber nicht nur.

Sommer 2012: Die Bürgin Winzeler und Partner AG hat den Bands, die in ihrem Gebäudekomplex in den Gruben eingemietet sind, einmal mehr die Kündigung angedroht. Müllsäcke würden in den Gängen stehen, so die offizielle Begründung. Das ewige Tauziehen zehrt schon lange an den Nerven der Betroffenen, doch jetzt wird es den rund 30 Musikraum­mieterInnen zu viel. Sie besprechen sich und beschliessen, sich einer Waffe zu bedienen, die schon viel zu lange schlummert: des «Vereins zur Förderung der Kellermusik».

Dieser Verein wurde Anfang 1992 mit dem formellen Zweck der «Förderung und Organisation von Übungsräumlichkeiten für Musiker/innen und Orchester (Musikgruppen)» gegründet. Die Initiative wurde damals in erster Linie ergriffen, um für Übungsräume im umgebauten Kammgarnareal zu kämpfen. Als die Bands 1997 wieder aus der Kammgarn ausziehen mussten, half der Verein, geeigneten Ersatz zu finden. Danach verschwand er nach und nach in der Versenkung.

«Wir nennen uns Gewerkschaft»

Im September diesen Jahres – einige der Betroffenen Gruben-Musiker waren bereits seit vielen Jahren Vereinsmitglieder – wurde eine Generalversammlung einberufen. Es wurden ein neuer Vorstand und neue Revisoren gewählt und die Vereinsstatuten angepasst. Fortan sollte der Verein die Interessen der Bands aus den Gruben vertreten. Doch wieso den Verein nicht erweitern? Wieso nicht all die Schaffhauser Bands vereinen und ihnen eine Stimme geben? Christoph «Chrisi» Schmid und Philipp Lippuner gingen über die Bücher und befanden, dass man dieses Projekt unbedingt verfolgen müsse. Jedoch mit einem eigenen Verein.

«Das Hauptaugenmerk soll auf die unbefriedigende Übungsraumsituation in der Region gerichtet sein», sagt Lippuner. Eigentlich soll der neue Verein faktisch als Interessengruppe konstituiert werden, doch das erachten die Initianten als zu lasch. Lippuner stellt klar, dass es sich dabei nicht um eine Spassaktion handeln soll, dafür sei das Anliegen zu wichtig: «Deshalb nennen wir uns Gewerkschaft, das Kämpferische ist ein wichtiger Bestandteil», findet er. Dass der wichtigste Gegenpart einer Gewerkschaft, der Arbeitgeber, fehlt, sieht er nicht als Problem.

«Als Musiker werden wir uns kreativ äussern»

Dies bestätigen auch die etablierten Gewerkschaften, indem sie bereits im Vorfeld ihr Wohlwollen bekundet haben. Mit der UNIA und dem vpod fanden bereits Gespräche statt, wie man die MusikerInnen einbinden könnte. Für den Verein wäre das insofern interessant, als dass es so vielleicht möglich wäre, vom Rechtsschutz der Gewerkschaften zu profitieren. Gerade im Streit mit Vermietern und Vermieterinnen könnte das ein entscheidender Vorteil sein.

Doch neben dem Kampf um Übungsräume schweben auch noch andere Ideen im Raum: Feste Übungsraumkontingente wären ein Punkt, den man in Angriff nehmen könnte. Aber auch intern wollen die Initianten aktiv werden, beispielsweise mit einer Inventarisierung der Bandräume, mit der die Auslastung überblickt werden könnte. So wäre es möglich, dass man Bands untereinander vermittelt und so Bandraum-Sharing forciert.

Kurz gefasst: Der Verein soll Struktur in die nur schwer überschaubare und schlecht organisierte Band-Szene bringen, die Probleme sind nämlich bei allen Betroffenen die selben. Dabei soll die Gruppierung offen sein für alle interessierten Musikerinnen und Musiker, von der jungen Amateurband bis zum Profi-Ensemble sind alle willkommen, die sich engagieren möchten; sei es in der Organisation oder auch einfach mit Pauken und Trompeten in der Marschordnung am 1. Mai. «Wir sind keine Krawallmacher, aber wir wollen doch auch provozieren. Und als Musiker werden wir uns natürlich kreativ äussern. Die Mittel dazu haben wir ja.», lacht Lippuner.

Der Verein Band-Union wurde am 18 Januar 2013 im Tap Tab offiziell gegründet. Mahr Infos zur Bandunion gibts auf Facebook oder auf der Webseite www.band-union.ch.

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